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Peter Strickmann
Konzert: 27.07.2018

Peter Strickmann installiert, performt und manipuliert hörbare Aktivität in öffentlichen und privaten Umgebungen und beobachtet, konfrontiert und befragt die Gewohnheiten des Hörens in routinierten sowie außergewöhnlichen Zusammenhängen. Er realisiert Installationen, essayistische Projekte/Fieldtrips, sowie situative Musikaktionen mit seinem Werkzeugkoffer voller präparierter Objekte, Blas- und Perkussions Eigenbau, Miniaturgestik und Stimmlaut.

www.peterstrickmann.info
www.youtube.com/watch?v=lZcSzJ77Vc8
www.peterstrickmann.bandcamp.com

Peter Strickmann – Konzert


Michal Cáb – Improvisiertes Konzert für DIY-Mehrkanal-Soundsystem & Tastlaute
Konzert: 07.05.2018

Michal Cáb bewegt sich in einem experimentellen elektronischen Feld von unterschiedlichen Aktionsformen der Klangproduktion. Dabei entstehen neben der eigenen Entwicklung von Aufführungsformaten für seine Kompositionen intensive Kooperationsprojekte mit anderen Künstlern. Von besonderem Interesse ist für Michal Cáb dabei die Entwicklung von digitalen Plattformen als „open-source“ Angebote zur Generierung und Steuerung elektronischen Klangmaterials und dessen möglicher Verräumlichung in mehrkanaligen Wiedergabeverfahren.

http://ticho.multiplace.org/

Michal Cáb – Konzert


Lautsprecher
Zeitraum: 01.06.-10.06.2018
Künstler: Heiko Wommelsdorf

Auf der Suche nach dem Ursprung von Klang erforscht Heiko Wommelsdorf in seinen künstlerischen Arbeiten charakteristische Klang-Merkmale von Orten und Räumen. Durch minimale Setzungen leitet er mit seinen raumbezogenen Klanginstallationen eine Veränderung bzw. Verschiebung von Wahrnehmung ein. Der Raum als solcher ist hierbei in seiner ganz individuellen Beschaffenheit wesentlich an der Produktion akustischer Formen beteiligt. Visuell weisen Wommelsdorfs Arbeiten eine sehr reduzierte Handschrift auf. Das von ihm verwendete Material spiegelt ebenso wider, dass Klang in seiner künstlerischen Praxis immer auch visuelle Komponenten aufweist und dadurch in ortsspezifischen Installationen erfahrbar wird.

www.heikowommelsdorf.de

ausgestellte Arbeiten:

Heiko Wommelsdorf – Schritte Strobreden

Heiko Wommelsdorf – in-ear


Hubert Steins – Zweckentfremdet – Der Lautsprecher als Material der Klangkunst
Vortrag: 31.05.2018

Lautsprecher sind Schnittstellen, an denen elektronische Signale in hörbaren Schall gewandelt werden. Dabei wird ihnen im Verbund mit elektronischen Klangquellen und Verstärkern Neutralität abverlangt, dank der Musik unverfälscht reproduziert werden soll. Doch die künstlerische Praxis zeitgenössischer Musik und Klangkunst zeigt, dass in der Kunst das Primat des High Fidelity häufig keine Bedeutung hat. Ausgehend von unterschiedlichen Philosophien der Klangproduktion in der elektroakustischen Musik stellt der Kölner Musikjournalist und Klangkünstler Hubert Steins ungewöhnliche Verwendungsweisen des Lautsprechers in der Klangkunst vor.

https://steinshubert.wordpress.com/

Hubert Steins – Vortrag



Rob Frye – Flux Bikes
Konzert: 21.04.2018

Rob Frye ist Flux Bikes. Mit Synthesizer, Flöte, Saxophon, Klarinette, Gitarre und Trommel ist Rob Frye aus Chicago in Bands wie Bitchin Bajas und El is a Sound of Joy präsent.

Mit Flux Bikes spielt er sein Fahrrad als Instrument: Seine Performance beginnt vor dem Konzert, er ist mit dem Fahrrad unterwegs zu seinem Konzert und experimentiert weiter mit Dynamik, Poly-Rhythmen und Loops. Die Reifen erzählen von der Reise zwischen Melodie, Noise und sound intervention.

Seine kollaborativen Touren reichen von 5 km bis zu über 5000 km. Nach Amerika und Spanien folgte Deutschland 2017. (Text von Katharina Ritter)

http://fluxbikes.blogspot.com/
https://lakeparadiserecords.bandcamp.com/album/flux-bikes-sue-olas
https://vimeo.com/226845268

Rob Frye – Konzert


Dunkle Bilder, dunkle Klänge, dunkle Getränke
Zeitraum: 31.03.-08.04.2018
Künstler: Katja Kölle

Die private Ausstellung „Dunkle Bilder, dunkle Klänge, dunkle Getränke“ beginnt nicht mit einer Eröffnungsrede, die Hintergrundwissen vermittelt, den Blick lenkt und mit einem fast obligaten Glas Sekt endet. Die Rituale von Ausstellungseröffnungen werden nicht gewährt, denn es fragt sich, ob die liebgewonnenen Gewohnheiten nicht gerade die Distanz schaffen, die eigentlich überbrückt werden soll?

Stattdessen wird man über die Ausstellungsdauer auf ein dunkles Getränk und, wenn man möchte, zum Gespräch eingeladen. Man kann in den dunklen Klängen wandeln, an die kleinformatigen, dunklen Bilder herantreten und wird spätestens beim Einverleiben des Dunkelgetränks mit den wahrnehmungsübergreifenden Fragen der Rauminstallation befasst sein.

http://www.katja-koelle.de/

ausgestellte Arbeiten:

Katja Kölle – Verschlungen

Katja Kölle – Dunkle Bilder, dunkle Klänge, dunkle Getränke


Strobreden – Eröffnung
Zeitraum: 04.06.-18.06.2017
Teilnehmende Künstler: Heiko Wommelsdorf, Surya Tüchler und Katja Kölle
Einführung: Prof. Dr. Alex Diel

Verehrte Anwesende, liebe Gäste,

wie Sie der Einladung entnommen haben, habe ich die Ehre, Frau Helga de la Motte-Haber zu vertreten, um dieses Klangkunst-Ereignis einzuleiten. Helga de la Motte-Haber hätte sicherlich mehr aus der Perspektive Musiktheorie und Musikpsychologie diese raumbezogenen Klangschöpfungen der hier präsentierenden Künstlerinnen und Künstler würdigen können. Ich dagegen begegne den Werken und dem Ort eher aus der Perspektive von bildender Kunst und Wahrnehmung, Begriffsdeutung und Erkenntnisgewinn bei ganzheitlicher Betrachtungsweise, wobei die jeweiligen Raum- und Zeitbezüge auch die Mehrdeutigkeiten der Ereignisse bestimmen, ihnen Sinn und Hintersinn zuordnen.

Strob-reden oder Stroh-breden kommt zu jeweils unterschiedlichen Interpretationen je nach Sprachgenauigkeit, Gewohnheit oder Überlieferung eines solchen Namens, wo wir uns hier befinden. In seinem Gutachten zur Namensforschung dieser Gemarkung in Bahrenfeld kommt Professor Jürgen Udolph zu dem Schluß – ich zitiere: „Die Grundbedeutung des Flurnamens Strohbreden kann unter Berücksichtigung der Erkenntnisse nicht genau ermittelt werden. Es handelt sich um ein Flurstück, das entweder von Gebüsch oder Dickicht bewachsen war oder um eine Ackerfläche, die mit Getreide bebaut und nach den Strohhalmen benannt worden ist.”

Sie sehen, welche Bandbreite einer Interpretation schon eine so geringe klangliche Verschiebung bewirken kann.

((Ich erinnere nur an den Sinn-Unterschied von zumachen und zu machen.))

Trotzdem unsere wahrnehmenden Sinne in einer komplexen Beziehung zueinander stehen, – auch wenn nicht alle Menschen zu den gleichen synästhetischen Erlebnissen fähig sind -, so lehrt uns doch die Alltagserfahrung, daß einzelne Geschehnisse vorwiegend visuell oder akustisch getrennt wahrgenommen werden. Und dabei haben wir auch noch einen Tast-, Geruchs- und Geschmackssinn, die physiologisch gut entwickelt sind, wenn sie gebraucht werden. Ein Bewußtwerdungsprozess hat damit auch die Grenzen traditioneller Zuordnungen zu Musik oder Kunst oder Theater fließend werden lassen, um neue und erweiterte Wahrnehmungs- und Erkenntnisprozesse zu ermöglichen.

Diesen Aspekt möchte ich besonders hervorheben. Zwei Begriffe stehen dabei im Vordergrund, auf die ich später kurz eingehen möchte: Klangkunst und Performance.

Diese kleine Veranstaltung hier findet auch statt im Rahmen des Hamburger „Blurred Edges Festivals für aktuelle Musik“, seit gut 10 Jahren ein Klangkunst Ereignis, das in seiner Vielfältigkeit über den Rahmen Musik weit hinaus geht und nur sich selbst zugeordnet werden kann. Die Bezeichnung „blurred edges“, ursprünglich aus der Fachterminologie von Fotografie und Drucktechnik stammend, kennzeichnet sehr genau die unklaren Grenzen, das Undeutliche und Unscharfe in unserer Wahrnehmung. Dieses Phänomen aufgreifend sind heute in der Kunst kaum noch wirkliche Zuordnungen zu Bild oder Objekt, Klang oder Geräusch, Ursprung oder Reproduktion, Natur oder Umwelt feststellbar, wenn man sich als Betrachter oder Zuhörer nicht auf sensible Wahrnehmung und reflektierende Auseinandersetzung einläßt.

Die Klang – Kunst – Schaffenden (alles mit Bindestrich geschrieben) mögen es mir nachsehen, wenn ich jetzt erst einen kleinen, ortsbezogenen Exkurs vornehme. Schon deshalb, weil sich Katja Kölle auch hier vornehmlich mit der Farbigkeit des „weißen Rauschen“ auseinandersetzt, Surya Tüchler ihre Lautlosigkeit zum künstlichen Klangkörper mutiert und Heiko Wommelsdorf die Stummheit von Objekt-Installationen zur inneren akustischen Resonanz formt.

In diesem Hause aus dem Ende des 19. Jahrhundert eines ehemals Hamburger Vorortes lebt ein Geist der Geschichte, der – wie man so schön sagt –einem die Ohren zum Klingeln bringt. (Die Ohrenärzte nennen das Tinnutus aurium, bei dem der Betroffene Geräusche empfindet, denen keine äußeren Schallquellen zugeordnet werden können.)

Ganz das Gegenteil zu den Schallereignissen, denen Felicitas und James Kölle (und viele ihrer Nachbarn) ausgesetzt wurden, als dieses ehemals dörfliche Zentrum von Bahrenfeld durch eine Autobahnschneise zerteilt und mit einer permanenten Lärmbelästigung aus Motorenlärm und Fahrgeräuschen überflutet wurde. Jetzt, 40 Jahre später werden an der Autobahn endlich Lärmschutzmaßnahmen ergriffen, und in dieses Landhaus von 1895 kehren Geräusche, Klänge und Töne in Form symbolischer künstlerischer Darbietungen zurück.

Es wird nun von Klangkunst-Begeisterten bewohnt und beschallt und hin und wieder der Öffentlichkeit präsentiert – als ein neuer, ein anderer kultureller Aktionsraum von Bahrenfeld. (Fragezeichen)

– Surya Tüchler steht sprachlos vor den Zuhörern und trotzdem tönt es aus ihrem Mund. Ein Klang-Automat oder eine Repräsentation der mechanisch tönenden Zeit ? (Surya ist ein Sanskrit-Wort und heißt Sonne. „Nomen est omen“ – der Name ist ein Zeichen?? – In der indischen Mythologie, der Vedischen Religion, ist Surya die Tochter des Gottes der Morgensonne „Savitri“.)

– Katja Kölles Porzellan-Eule „Leisheit – ist auf einem Auge taub“, oder – man kann auch sagen – auf einem Auge blind, aber nicht stumm und blickt als Nachttier in einen hell erleuchteten Raum. Als Sinnbild der Weisheit ist die Eule in der griechischen Mythologie der Göttin Pallas Athene zugewiesen, – der Schirmherrin der Künste und Wissenschaften -, weil sie sehend die Dunkelheit durchdringt. Diese hier tönt allerdings in Farben der duftenden Natur (etwa Flieder als weißes Rauschen oder Lavendel in „fis“), die sich im Raum dann ausbreiten, wenn die Fenster geöffnet sind.

– Heiko Wommelsdorfs „Thermohygrographen“ sind auch Repräsentanden einer Umwelt von Kunstwerken. Diese Geräte schreiben etwas auf, was auch wir fühlen, nur unscharf wahrnehmen, aber nicht eindeutig beschreiben können. An sich sind die Geräte tonlos, sie teilen uns ihre Botschaft in Form von Zeichnungen auf Papierstreifen mit, und ihre raum-zeitliche Bedeutung im Zusammenhang von Kunstwerken und Betrachter muß erst zu verstehen gelernt werden. Wenn trotzdem in diesem Umfeld etwas tönt, dann sind es die Geräusche der Besucher.

(( Ich möchte nicht alles interpretieren, sondern nur eine Anregung zur eigenen Betrachtung geben.))

Was ich hiermit sagen will, ist, daß die Komplexheit künstlerischer Produktion nicht mit eindimensionalen Begriffen erfaßt werden kann. Wir dürfen alles, was wir wahrnehmen, nicht einfach für „wahr“ – also eindeutig – nehmen, sondern auch als Sinnestäuschung begreifen, die einer weiterführenden Auseinandersetzung mit allen daran beteiligten Sinnen bedarf.

Und so komme ich nun zur Klangkunst und Performance: In den 1960er Jahren wurde, zunächst in den USA, der Begriff „Performance Art“ zu einer Sammelbezeichnung für künstlerisches Geschehen, das den üblichen Kontext der „Performing Arts“ (Darstellende Künste) und der „Visual Arts“ (Bildende Künste) sprengte: Happenings, „Live Events“, Fluxuskonzerte, Straßenaktionen und Demonstrationen als öffentliches künstlerisches Ereignis. Beeinflusst durch Dada, Surrealismus, die Situationistische Internationale und Konzeptkunst wurde „Performance Art“ um 1970 von Künstlern der darstellenden, bildnerischen und Ton-Künste verstärkt als Antithese zu Theater formuliert und zunehmend als konzeptuell eigenständige Kunstform verstanden. – siehe Documenta !

In „Performance Art“ dieses Typs sollte ein künstlerisches Ereignis nie in der gleichen Weise wiederholt werden und nie die Struktur eines Stückes darstellender Kunst haben. Für die so definierte Kunstform wurde die Formel „Performance“, im Sinne von „Kunstperformance“, ins Deutsche übernommen.

Eine Klang-Performance nannte Helga de la Motte-Haber eine „immaterielle Installation“, eine ephemeres, d.h. kurzlebiges, flüchtiges, vorübergehendes, vergänglich klangliches und darstellendes Kunstwerk. Theoretiker und Künstler unterscheiden demnach auch „Performance“, die sich aus Konzepten der Bildenden Kunst entwickelt hat, von Formen, die aus den darstellenden Künsten kommen, wie Theaterperformance, Musikperformance, Literaturperformance.

Es ist also nicht zu weit hergeholt, wenn ich die Aktivitäten von Cita und James Kölle und die Artikulationen der Bahrenfelder Bürgerinitiative „Ohne Dach ist Krach“ auch in die Kategorie „Performance“ einordne. Diese bestand darin, die öffentliche Wahrnehmung zu sensibilisieren und Zusammenhänge bewußt zu machen, daß das durch Technokraten und Wirtschafts-Wachstums-Ideologen geschaffene „Hintergrundrauschen“ in unserer natürlichen und sozialen Umwelt nicht auch noch als Kollateralschaden zu akzeptieren sei.

Ich habe diese weitausholende Betrachtung zur Eröffnung gewählt, weil hier am Strobreden diese Künstler-Initiative eines Klang-Kunst-Zentrums in Bahrenfeld als Wohn -, Arbeits- und Erlebnisstätte mir auch als eine Fortsetzung der Intensionen von Felicitas und James Kölle erscheinen. Nur der Kunst gelingt es, Lebenszusammenhänge sowohl unscharf und verschwommen als auch gleichzeitig präzise und sinndeutend darzustellen. Und die ehemaligen Bewohner dieses Hauses leben so lange, wie man sich ihrer erinnert. Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.

ausgestellte Arbeiten:

Katja Kölle – Ich atmet

Heiko Wommelsdorf – Dämmung

Surya Tüchler – SpieluhrMund

Katja Kölle – Leisheit

Heiko Wommelsdorf – Thermohygrographen

Katja Kölle – Klang-Duft-Fenster